WillkommenUnser VereinOrchesterTermineKontakt

Unser Verein

Vorstandschaft

Mitgliedschaft

Jugendarbeit

Presse

Jubiläumsjahr 2011

Unser Verein

Leitbild

Der Musikverein Kappelwindeck möchte sowohl seinen Musikerinnen und Musikern als auch seinen Zuhörern gleichermaßen Freude bereiten.

Ein ausgewogenes Repertoire aus traditionellen sowie modernen Werken für Blasorchester bildet die Grundlage für die Auftritte der Kappelwindeck-Musikanten. Das traditionelle Neujahrskonzert stellt den musikalischen Höhepunkt im Vereinsjahr dar.

Die Instrumentalausbildung und somit die Jugendarbeit nimmt einen großen Stellenwert innerhalb der Aktivitäten des Vereins ein.

Die Kappelwindeck-Musikanten verstehen sich als eine generationenübergreifende Institution, die bei Jung und Alt die Begeisterung für das gemeinsame Musizieren wecken will.

Geschichte

Woher stammen die Informationen?
Innerhalb der vergangenen 200 Jahre sammelten sich auf recht unterschiedliche Weise geschichtliche Informationen der Kappelwindeck-Musikanten an. Die wohl umfangreichste schriftliche Sammlung an historischen Daten der Kappelwindeck-Musikanten fertigte der Bühler Chronist und Journalist Werner Vetter anlässlich des 175-jährigen Stiftungsfestes 1986 an. In der damaligen Festschrift wurden seine Texte und die von ihm gesammelten Bilder abgedruckt. Davor war bereits der Kappelwindecker Lehrer Bernhard Falk als Chronist tätig. Aus seiner Feder stammt die „Kriegerchronik Kappelwindeck“ aus dem Jahr 1934, in der die Kappelwindeck-Musikanten ebenfalls erwähnt sind. Auch einige Inhalte seiner Festrede beim ersten Musikfest nach der Wiedergründung 1957 als Kreisschulrat i.R. sind aufgrund des ausführlichen Presseberichtes der Nachwelt erhalten.

Dokumente aus der städtischen Verwaltung, die historische Bedeutung haben, werden nach Ablauf einer Verschlussfrist im Archiv des stadtgeschichtlichen Instituts der Stadt Bühl eingelagert. Inzwischen gibt es zu den Kappelwindeck-Musikanten dort einen kleinen Stapel von Unterlagen, von denen einige besonders gut dokumentieren, welch wichtige Rolle Emil Siegwarth in den 1930er Jahren für die Kappelwindeck-Musikanten spielte. Er war damals nicht nur der musikalische sondern auch der organisatorische Leiter der Kapelle. Einige Jahre nach der Eingemeindung von Kappelwindeck gibt es einen Briefwechsel zwischen ihm und dem damaligen Bürgermeister, die den Verlauf der Auflösung der Kappelwindecker Musikkapelle durch die damals unter nationalsozialistischer Führung stehende Bühler Stadtverwaltung sehr gut beschreibt.

Wer in der Geschichte der Kappelwindecker stöbert, kommt sicherlich auch nicht an der Dokumentation der Eingemeindung „50 Jahre Bühl-Kappelwindeck“ von Albrecht Kirschner und der Festschrift „25 Jahre Bachschloss-Schule Bühl“ von Karl Heinz Jutz vorbei. Neben allgemeinen geschichtlichen Informationen über die Region wie z.B. der Aufstieg der Markgrafschaft Baden zum Großherzogtum unter dem Protektorat Napoleons zur Gründungszeit der Kappelwindeck-Musikanten gibt es im stadtgeschichtlichen Institut archivierte Presseberichte, die über Geschehnisse rund um die Kappelwindecker Gemeinde und natürlich auch deren Musikkapelle berichten. Alle Ausgaben des Acher- und Bühler Boten seit 1890 sind dort auf Microfiche archiviert. Geschichtlichen Informationen über die Bühler Region im 19. Jahrhundert finden sich in dem Buch „Alt Bühl und Umgebung“ nach einer Idee des ehemaligen Sparkassen-Direktors Hans Höderath.

Von vorne
Was spielte sich also 1811 in der kleinen, ausschließlich ländlich geprägten Gemeinde Kappelwindeck ab? Was waren die glücklichen Umstände, dass gerade hier und zu dieser Zeit eine Musikkapelle gegründet wurde? – Napoleon war zu dieser Zeit der Protektor des gesamten Gebietes des Rheinbundes, dem neben Bayern, Württemberg und anderen Staaten auch das Großherzogtum Baden angehörte. Er hatte zuvor sowohl Preußen als auch Österreich in die Knie gezwungen und bei den folgenden Friedensverhandlungen große Freiheiten für die von ihm angestrebte Neuordnung einzelner Staatsgebiete in Europa erreicht. Dazu gehörte auch die Einverleibung von vorderösterreichischen Gebieten in Baden, darunter auch die bis Ottersweier reichende Landvogtei Ortenau, die seit 1551 in habsburgischem Besitz war. Das Zollhaus soll angeblich in Ottersweier an der Bachbrücke der Durchgangsstraße gestanden haben. Dort verließen also die Badener das eigene Staatsgebiet und betraten sozusagen österreichisches Gebiet. Auch Rittersbach hatte noch auf vorderösterreichischer Gemarkung gelegen.

Der Bruder des damaligen Dorflehrers Johann Adam Linz war es, der als Stabstrompeter in österreichischen Diensten stand und in jener Zeit immer mal wieder in Kappelwindeck bei seinem Bruder in der Schule aushalf. Pfarrherr Kappler, der damals die Seelsorge in Kappelwindeck inne hatte und gut betucht war, sah in diesem Mann den Schlüssel zu einer eigenen Musikkapelle und stiftete die ersten Blechblasinstrumente. Unter diesen günstigen Bedingungen konnte eben dieser Stabstrompeter Linz mit einer Gruppe vierzehnjähriger Burschen eine Musikkapelle gründen. Als musikalischer Ausbilder nahm Linz die Burschen unter seine Fittiche. Unter den Gründungsmitgliedern der Musikkapelle war auch ein seltenes Musiktalent namens „Krönig von der Brombach“, der alsbald die Stellung des Kapellmeisters übernahm.

Die großzügige Unterstützung durch den Ortspfarrer war vermutlich nicht ganz uneigennützig, denn die Mitwirkung der Musikkapelle bei kirchlichen Anlässen war obligatorisch. Auch der dem Pfarrherr Kappler nachfolgende Seelsorger Dekan Schohner finanzierte den Betrieb der Musikkapelle weiter. Aber auch weltliche Auftritte waren für die Kappelwindecker Musikkapelle an der Tagesordnung. Das im 19. Jahrhundert weithin bekannte Hubbad zog immer wieder auch prominente Gäste von weit her angereist an. Heute noch weiß man, dass die Kappelwindecker Musikkapelle auch dort aufgespielt hat.

Nachdem es die finanziellen Möglichkeiten der Kappelwindecker Pfarrherren nicht mehr möglich machten, die Musikkapelle ausreichend zu unterstützen, sprang 1868 zum ersten Mal die Kappelwindecker Gemeindeverwaltung ein und stiftete das erste Instrument. Auch in den folgenden Jahren trug die Unterstützung aus der Gemeindekasse maßgeblich zur Finanzierung der Musikkapelle bei. Auch bei den Veranstaltungen des 1874 gegründeten Kappelwindecker Kriegervereins war die Kappelwindecker Musikkapelle immer mit von der Partie. Die Dorfmitte Kappelwindecks mit dem stattlichen Lindenbaum bot bereits im 19. Jahrhundert die ideale Kulisse für wunderschöne Dorffeste. So war es auch beim 25-jährigen Jubiläum des Kriegervereins 1899, bei dem die Kappler Linde am Abend über und über mit bunten Lampions behangen war und ein Fackelzug durch Riegel, Rittersbach und Unterkappel bis zum Festplatz führte, der damals hinter der Kirche lag. Vor der Kirche befand sich zwischen Lindenbaum und dem heutigen Dorfbrunnen, das Gasthaus „zur Linde“, welches bald nach dem 2. Weltkrieg abgerissen wurde.

Der Lindenbaum wurde 1737 zu Ehren von Kaiserin Maria Theresia gepflanzt, die auf der Durchreise Kappelwindeck passierte. 1902 erreichte die Linde mit einem Stammumfang von 4,20 m und einer Höhe von 25 Metern den Höhepunkt ihrer Entwicklung. 1902 wurde in Kappelwindeck das elektrische Licht eingeführt. Beinahe 100 Jahre lang spielte die Kapelle also entweder bei Tageslicht oder bei Kerzen- bzw. Laternenschein. In den Presseberichten zum 100. Stiftungsfest 1911 ist auch immer wieder von der elektrischen Beleuchtung des Tanzbodens beim Lindenbaum die Rede, was damals sozusagen noch ein echter Knüller war. Die 1763-66 erbaute Pfarrkirche St. Maria wurde 1910-11 umgebaut und erweitert. Dies war notwendig geworden, da die Einwohnerzahl von 1.580 im Jahr 1871 auf 2.077 im Jahr 1910 zugenommen hatte.

100. Stiftungsfest und Jahresrückblick 1911
Ein bedeutender Anlass für Kappelwindeck war das große Jubiläumsfest 1911, welches auch als Gaumusikfest gefeiert wurde. Drei Tage lang war die Gemeinde in einen Ausnahmezustand versetzt. Um einen Eindruck der damaligen Lebensverhältnisse zu erhalten und von den sonstigen Ereignissen dieses Jubiläumsjahres 1911 zu erfahren, empfiehlt es sich, die gesammelten Kappelwindecker Presseberichte dieses Jahres zu lesen. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums wurden diese in einem separaten Dokument zusammengestellt und auch im Rahmen einer Ausstellung präsentiert. Der prächtige Schellenbaum, welcher hauptsächlich bei Prozessionen und Umzügen der Kapelle voran getragen wird, wurde der Musikkapelle zum 100-jährigen Jubiläum von der Kappelwindecker Bevölkerung gestiftet.

Auflösung der Musikkapelle durch die Nationalsozialisten
Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 und der radikalen Umstrukturierung vom Mehrheitsprinzip zum Führungsprinzip, was bis auf Gemeindeebene umgesetzt wurde, kam es 1934 auch zur per Gesetz erlassenen Eingemeindung Kappelwindecks. Der damalige Leiter der Musikkapelle, Emil Siegwarth, blickte der Eingemeindung mit großer Sorge und Skepsis entgegen, obwohl er selbst in den Jahren zuvor innerhalb einer Kommission an den Rahmenbedingungen der Eingemeindung mitarbeiten konnte. Bereits Ende 1937 wandte sich Siegwarth mahnend an die Bühler Stadtverwaltung, um die versprochene finanzielle Unterstützung für die Kappelwindecker Musikkapelle einzufordern. Zunächst gewährte man diese auch. Doch als Siegwarth deren Anweisung, ab sofort nicht mehr bei kirchlichen Anlässen wie z.B. der Fronleichnamsprozession mitzuwirken ignorierte, ordnete der damalige Bürgermeister, Philipp Ewald, die Einstellung der Zuschüsse und den Einzug der durch städtische Zuschüsse angeschafften Instrumente an. Die Auflösung der Musikkapelle stand nun unmittelbar bevor. 1941 ordnete Kreileiter Rothacker den Einzug sämtlicher Instrumente und des Notenmaterials an und führte das Inventar einschließlich des Schellenbaums der Stadtkapelle Bühl zu.

Wiedergründung
August Seifried und Oskar Leppert waren die treibenden Kräfte bei der Wiedergründung der Kappelwindecker Musikkapelle 1956. Das Geburtshaus von Oskar Leppert steht im Einsiedelweg, das Geburtshaus von August Seifried nur einen Steinwurf weit weg im Brombachweg. Die Details der Wiedergründung wurden ausführlich in der Festschrift von 1986 beschrieben.

Wiederum waren es junge Burschen, die sich 1956 um den Dirigenten Robert Vollmer und einige verbliebene scharten und mit Begeisterung zur Probe am Samstagabend kam. Wie Alfred König heute berichtet, teilten sich damals drei Zöglinge nur ein Instrument. Jeder spielte es zwei oder drei Tage lang, danach wurde es weitergereicht. Derjenige, der in der Probe am lautesten spielen konnte, durfte dann beim Auftritt spielen.
Auch aus heutiger Sicht war es eine echte Meisterleistung, innerhalb eines Jahres eine Musikkapelle quasi von null auf hundert zu bringen. Wie angekündigt feuerte Oskar Leppert 12 Böllerschüsse ab, als man der Meinung war, die Musikkapelle hätte nun die musikalische Sprache erlernt. Dieses Signal galt den ungefähr 200 Kappler Bürgern, die sich mit ihren Spenden und Mitgliedsbeiträgen an der Finanzierung der Neugründung beteiligt hatten. 1957 fand bereits das erste Musikfest beim Gasthaus „Einsiedelhof“ statt.

Die heutige Zeit
Im Jubiläumsjahr 2011 bilden neben dem ca. 60-köpfigen Stammorchester auch das Jugendorchester, die Blockflötengruppe und die 2010 neu gegründete Bläserklasse an der Bachschloss-Schule die einzelnen Gruppierungen innerhalb der Kappelwindeck-Musikanten. Zahlreiche Verantwortliche teilen sich die vielfältigen organisatorischen Aufgaben innerhalb des Vereins.

Vor allem zur Finanzierung der Jugendausbildung werden heute beachtliche Summen aufgewendet, die über Mitgliedsbeiträge, Spenden aber auch vereinsinterne Aktionen wie z.B. der bereits seit vielen Jahren je einmal im Früh- und Spätjahr stattfindenden Altpapiersammlung gedeckt werden. Die Altpapiersammlung bringt auch die Möglichkeit einer außermusikalischen Gemeinschaftsaktion mit sich, an der sich jung und alt mit großem Engagement beteiligen.

Das Vereinsjahr in der heutigen Zeit ist geprägt von festen Anlässen wie z.B. das Maispielen am 1. Mai ab 6 Uhr morgens. Dabei zieht die Kapelle durch die Straßen und grüßt die Kappler Bevölkerung mit zünftigen Märschen und dem Lied „der Mai ist gekommen“. Gerne machen die Musikanten Station, wenn sie zu einem Umtrunk oder kleinen Imbiss eingeladen werden. Von Jahr zu Jahr wechselt die Route, so dass ein jeder Zinken Kappels einmal an die Reihe kommt.

Auch die Lindenbaum-Hocks sind fester Bestandteil des Jahreskalenders. Sie tragen inzwischen maßgeblich zur Finanzierung der Vereinsausgaben bei. Für die einzelnen Bereiche wie z.B. Getränke, Essensausgabe, Bedienungen und Technik gibt es inzwischen schon sehr gut organisierte Teams mit ihren Verantwortlichen. Für die Gastkonzerte anderer Musikkapellen der Region steht in der Regel ein Gegenbesuch als Entlohnung aus. Dabei werden auch Kontakte zu anderen Musikkapellen gepflegt.

Fast schon zur Tradition geworden ist der alle eineinhalb Jahre stattfindende Hüttenaufenthalt, zu dem alle Aktiven mit Ihren Angehörigen eingeladen sind. Mit dem Mottoabend am Freitag, der Wanderung am Samstag und der großen Hütten-Olympiade, bei der sich satzweise einzelne Gruppen einem witzigen Wettstreit stellen, gibt es bereits in vielen Variationen ausgestaltete feste Programmpunkte.

Besondere Ereignisse der vergangenen Jahre waren der Ausbau des Dachgeschosses des Kindergartens zum Proberaum, der 1998 bezogen wurde, und der Umbau des Musikanten-Treffpunkts „Da Capo“ im Keller des Kindergartens, der 2008 abgeschlossen war. Hier trifft man sich nun nach der wöchentlichen Probe, um den Musikerdurst zu stillen, Neuigkeiten auszutauschen und die Kameradschaft zu pflegen. 2006 und 2008 waren die Kappelwindeck-Musikanten auf Konzertreise in Schkeuditz um dort beim jährlichen Stadtfest aufzutreten. Vor allem beim ersten Besuch der Bühler Partnerstadt bot das nahe Leipzig mit seinem Fussball-WM-Stadion eine imposante Kulisse, die bleibende Eindrücke bei den Teilnehmern hinterließ.

Quellen

„Dorf und Wehr in großer Zeit“ - Kriegerchronik Kappelwindeck
Herausgeber: Bernhard Falk (1934), Druck: Konkordia AG Bühl

„150 Jahre Kappelwindeck-Musikanten“
Festschrift mit „Chronik der Musikkapelle Kappelwindeck“ und Ortsgeschichte von Kappelwindeck

„50 Jahre Bühl-Kappelwindeck“ - Die Geschichte des Zusammenschlusses
von Albrecht Kirschner, Beitrag zu einer Monographie XXX/1985

„175 Jahre Kappelwindeck-Musikanten“
Festschrift mit „Historie der Kappler Blasmusik“ von Werner Vetter

„25 Jahre Bachschloss-Schule Bühl“
Jahrbuch mit Chronik von Karl Heinz Jutz

„Alt Bühl und Umgebung“ - Impressionen vom Rhein bis zum Schwarzwald um die Jahrhundertwende nach einer Idee von Hans Höderath – ISBN 3-9801009-0-1